Hauptsache an die See

23. September 2014

Kennt ihr das? Ihr habt ein paar Tage frei und wollt diese unbedingt nutzen und wegfahren. Aber keiner weiß, wo es hingehen soll?
Normalerweise planen wir unseren Urlaub schon immer einige Monate vorher. Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude, aber dieses Mal konnte ich mich einfach nicht richtig entscheiden. Ich hatte noch so viel zu tun. Mein Online-Magazin Wohlfühlglück stand in den Startlöchern, da konnte ich doch nicht einfach losfahren. Ich bin schließlich pflichtbewusst erzogen worden und dann fährt man erst in den Urlaub, wenn alle Arbeiten erledigt sind. Dennoch wollte mein Kopf sich nicht so wirklich von der Urlaubsidee trennen. Es gäbe ja schließlich auch da Internet, ich könnte auch von unterwegs arbeiten und ein paar freie Tage wären schließlich doch ganz nett, flüsterte mir immer wieder eine Stimme in meinem Kopf zu. Und so entschlossen wir uns doch in den Urlaub zu starten. Wir als Camper, Bootsfahrer und Wohnmobilisten (so heißen die Leute, die mit dem Wohnmobil unterwegs sind 😉 ), haben da einen ganz großen Vorteil. Wir sind flexibel. Rein ins Auto und los geht’s!

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Also, noch bis 18.00 Uhr gearbeitet. Eigentlich sollte ich nur bis um 17.00 Uhr arbeiten, aber bei mir wird es erfahrungsgemäß immer eine Stunde später! 😉 Was soll’s, ich arbeite schließlich mit Menschen zusammen und in keiner Fabrik und mein Mann gewöhnt sich auch nach 27 Jahren langsam daran.
Als meine Kundinnen fragten, wo es denn dieses Mal hingehen sollte, antwortete ich nur: „Ich weiß nur die Richtung. Und zwar an die See!“ Aber das war ja auch eigentlich klar, oder? Ich bin ja bekanntlich eine Meerliebhaberin!

Kurz bevor es losging, informierte ich mich noch mal in meiner Wetter-App. Manchmal frage ich mich, wie ich es vor 15 Jahren geschafft habe in den Urlaub zu fahren, ohne dass ich wusste wie das Wetter in den nächsten 14 Tagen werden sollte…?! Damals haben wir einfach die Kinder eingepackt, unsere Sachen zusammengesucht, schnell noch Lebensmittel gebunkert und sind mit unserem Boot Richtung Holland geschippert. Manchmal hatten wir drei Wochen Dauerregen und es gab früher keine Waschmaschinen und Trockner in den Häfen ….., aber ich habe diese Urlaube in trauter Umgebung mit den Kindern immer als sehr schön empfunden und trotz riesigen Wäschebergen und ständig nassen Handtüchern habe ich es als Mutter überlebt.

IMG_2547Aber zurück ins Jahr 2014. Also, nachdem ich im Internet die Wetterlage gecheckt hatte, ging es mit einer Stunde Verspätung (typisch :-)) endlich los in Richtung Ostsee.Wir sind gut durch den Verkehr gekommen und waren nach nur drei Stunden Fahrt auf Fehmarn :-) Es war schon dunkel, aber als ich die Tür von unserem Wohnmobil öffnete, konnte ich das Meer zwar nicht sehen, aber das Rauschen der Wellen war nicht zu überhören. Tief einatmen und die Kühle der Seeluft genießen, das war das reinste Wohlfühlglück! Mir war klar, dass ich unbedingt noch einen kleinen Strandspaziergang machen musste. Ich konnte unsere Umgebung nur erahnen und freute mich schon auf die Helligkeit am nächsten Morgen. Schnell noch die Elektospring (Stromkabel) angeschlossen, denn die Haare müssen auch im Campingurlaub sitzen und dann ab ins Bett. Fenster auf und dem Rauschen der Wellen lauschen! So schläft man doch gerne ein.

Am nächsten Morgen wurde ich von der Sonne geweckt. Es hieß also schnell raus und erst mal erkunden, wo wir gestrandet sind. Ich traute meinen Augen nicht, wir waren gefühlt keine fünf Meter von der Ostsee entfernt, das klare erfrischende Wasser lag direkt vor uns. Herrlich, so fühlt sich für mich Wohlfühlglück an!

Und ich hatte mit meiner Vermutung recht behalten. Der Stellplatz war ein absolutes Surfer-Domizil, 1. Ranges, alle mit Surfbrettern und mit älteren und kleineren Campingbussen (ein T5 Bus, war schon eine Seltenheit)
IMG_2546Was war das für ein buntes Treiben am Morgen. Jeder rannte mit seinem Kaffeebecher und mit seiner Müslischale an den Strand, ergatterte sich einen platten Stein (darauf sitzt es sich ja bekanntlich besser) und hat den weiten Blick über die Ostsee genossen. Einfach herrlich, alles so unkompliziert und locker, jeder hilft den anderen, selbst wenn jemand Zahnpasta vergessen hatte. Auf den Plätzen, wo wir sonst meistens übernachten ist es ein Fauxpas nach irgendwelchen Sachen zu fragen, die man vergessen hat. Lieber werden die Zähne nur mit Wasser geputzt. Hier aber wurde zusammen gesessen, geschnackt und gefachsimpelt, einfach herrlich. Ich wurde 30 Jahre zurück katapultiert, wo wir auch nur eine Kaffeetasse an Bord hatten und ich mir von unseren Freunden immer etwas leihen musste.

Bei dem Treiben am Strand konnte ich mal wieder meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen – wie sagt man so schön? Kreativ auf das Wasser gucken. Dabei sind mir natürlich auch einige Gedanken durch den Kopf gegangen. Was braucht man wirklich um glücklich zu sein, was macht das Leben aus? Ist es der Überfluss, immer mehr zu haben, als die Anderen? Neidvoll auf die Nachbarn zu schauen, die in diesem Jahr schon die vierte Kreuzfahrt machen? Immer argwöhnisch auf sein Gegenüber zu gucken und sich selbst dabei zu verlieren? Sowas brauch ich nicht. Und das Meer und seine Ruhe hat mir das wieder einmal mehr bewusst gemacht.

Ein neues Leben kannst du nicht anfangen, aber täglich einen neuen Tag.“
Henry David Thoreau

Ich weiß, was ich im Urlaub wirklich brauche, das hat mir der Aufenthalt auf Fehmarn wieder einmal gezeigt: ich habe hier am Wasser mein Wohlfühlglück gefunden. Wem geht es auch so? Wer findet sein Wohlfühlglück noch am Meer?

Übrigens hieß der Ortsteil, in dem wir waren „Altenteil“! So schlimm kann das älter werden ja dann nicht werden :-)

Bis ganz bald,

Eure Anke

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4 Kommentare zu “Hauptsache an die See

  1. Hallo Anke, auch ich brauche zum Glücklichsein das Meer! Wir kommen aus dem Norden -Ostsee- und sind vor Jahren berufsbedingt Richtung Bremen gezogen. Wenn ich viel Stress und innere Unruhe verspüre, wird es zeit für eine Reise „nach Hause“! Ein verlängertes Wochenende an unserem Strand, mit den ganzen Kitesurfern und den tollen Lochsteinen und Muscheln( kann nicht genug davon sammeln- die sprechen mit mir und wollen mit) verschafft uns so viel Energie für die nächste Zeit. Das ist für mich WOHLFÜHLGLÜCK! Das Meer, meine Freunde und Familie um mich und einfach die Gedanken schweifen lassen :-) Was sind schon materielle Dinge gegen so ein starkes Gefühl der Freude und inneren Zufriedenheit. Ich und das Meer gehören einfach zusammen….und es ist schön, dass es auch anderen Leuten so geht. Ganz liebe Grüße und Deine Seite finde ich ganz toll.
    Martina

    1. Liebe Martina,

      vielen Dank für deine lieben Worte. Ich habe mich sehr gefreut und stimme dir da absolut zu :-)
      Liebe Grüße von einer anderen Meerliebhaberin,
      Anke

  2. soooo schön zu lesen, mir gefällt es auch besonders am Meer, dieses Glücksgefühl ist so herrlich! Leider müssen wir ca. 7 Stunden fahren, also ist es, wenn dann höchstens einmal im Jahr! Liebe Grüße Sandra

    1. Danke, liebe Sandra :) Ich drücke dir die Daumen, dass es auch für dich ganz bald wieder ans Meer geht und du dieses Glücksgefühl genießen kannst. Aber 7 Stunden Fahrt ist natürlich auch eine ganze Ecke 😉 Liebe Grüße, Anke.

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