Immer wieder sonntags #33

26. Juli 2015

Es ist ja längst kein Geheimnis mehr, dass wir ins neue Haus umgezogen sind. Alle Kisten sind ausgeräumt und auch die Pflasterarbeiten nehmen ihren Lauf. Aber bevor die Steine so liegen, wie sie müssen, muss das Pflaster eingeschlämmt werden. D.h. ganz viel Sand in die Zwischenräume fegen und dann mit Wasser einschlämmen, gut trocknen lassen, abrütteln und dann abfegen.

Wenn wir im Sommer immer an die See fahren und einen Stellplatz direkt am Sandstrand haben, ist es ja normal, dass auch Sand ins Wohnmobil kommt. Aber dass das Haus einfach überall sandig ist, wenn auch nur ein Fenster offen steht, ist eigentlich total nervig. Nun gut, so ist nun mal die Vorgehensweise beim Pflaster, das ist ja auch nur vorrübergehend. Vor einigen Jahren hätte ich mich noch furchtbar darüber aufgeregt und hätte vermutlich ein Dauerdate mit dem Staubsauger gehabt. Heute lege ich überall Matten vor die Türen, damit nicht so viel Sand ins Haus getragen wird und mit dem Rest muss man sich arrangieren. Dieses übertrieben Pingelige habe ich ablegen können. Dafür bin ich überglücklich, dass ich in so einem schönen Haus wohnen darf und sogar mein Kosmetikstudio in den oberen Räumen unterbringen konnte. Besser kann es für mich gar nicht sein – auch wenn nicht immer alles Perfekt ist.

2014 (3)

Ich habe mich schon öfter gefragt, ob man als Perfektionist eigentlich so richtig zufrieden sein kann. Ich kenne es selbst immer einem bestimmten Ideal hinterher zu laufen, weil man das so im Kopf hat. So toll auszusehen wie vor 20 Jahren oder vielleicht sogar so eine top Figur zu haben, wie die Nachbarin, die 10 Jahre jünger ist und ihre Leben im Fitnessstudio verbringt. Immer eine super Mutter zu sein, einen astreinen Haushalt zu führen, eine hervorragende Gastgeberin zu mimen und nicht zu vergessen eine hinreißende Ehefrau abzugeben. Klingt nach Arbeit, wie ich finde. Das Streben an sich macht meistens nicht zufrieden. Wenn wir noch Spaß daran haben, stecken wir uns die Ziele so hoch, dass wir sie nicht erreichen können, was dann wiederum wahnsinnig frustrierend ist. Dabei kann ein hoher Druck entstehen, der uns krank machen kann. Am häufigsten tritt dies bei Frauen auf. Angststörungen kommen bei Frauen drei Mal häufiger vor, als bei Männern. Die Angst vor der eigenen Fehlerhaftigkeit.

„Perfekt ist der, der keine Kanten hat, doch der ist schlicht langweilig.“
(Autor unbekannt)

Die Frage ist dann natürlich wie können wir uns diesem Perfektionismus entgegen setzen und uns dem Glück nähern? Mir gelang es durch mehr Toleranz. Mehr Toleranz den eigenen Fehlern gegenüber. Der Weg dorthin führt über Tugenden. Der amerikanische Psychologe Martin Seligmann hat in seinem Buch „Der Glücks-Faktor “ Aristoteles wiederentdeckt. Denn für ihn ist Tugend eine Haltung die frei von der Angst ist sich selbst nicht zu genügen, frei von Intoleranz. Er nennt vier Tugenden, die für ein glückliches Leben sorgen sollen: Tapferkeit, Klugheit, Maßhalten und Gerechtigkeit. Natürlich sind diese Ratgeber immer mit genügend Abstand zu betrachten, aber man kann darin durchaus Nützliches für sich selbst ziehen. Für mich bedeutet das sich seinen Ängsten zu stellen, Ordnung in sein Leben zu bringen und festgefahrene Werte neu zu überdenken. Man darf nie müde werden seine Prioritäten richtig zu setzen und der eigenen Unvollkommenheit Raum zu lassen.

Bis bald,
eure Anke

Mit Freunden teilenShare on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *