Immer wieder sonntags #4

9. November 2014

Als mich am Donnerstagabend mein Sohn anrief und fragte, ob ich beim Fußballspiel „Werder vs. Stuttgart“ im Weserstadion dabei sein wollte, brauchte ich als Bremer Deern und eingefleischter Werder-Fan, nicht lange überlegen. Ich sagte natürlich zu! Kurz danach schossen mir jedoch schon wieder tausend Dinge durch den Kopf. „Lohnt sich der Aufwand überhaupt?“ „Werder spielt am Samstag erst um 18.30 Uhr und da ist es im November ja auch schon sehr kalt und ungemütlich.“ „Und dann sind wir auch so spät wieder zu Hause und dieses ganze Verkehrschaos rund um das Stadion.“ Ich wollte schon wieder zum Telefonhörer greifen und absagen.

Fußball

Nach einigem Hin und Her blieb ich jedoch bei meiner Entscheidung. Ich werde mit meinem Mann ins Weserstadion gehen. Und diese eventuellen Unannehmlichkeiten kann man dafür schon einmal in Kauf nehmen. Was soll denn auch passieren? Wenn ich durchgefroren bin, stelle ich im Auto die Sitzheizung an. Und wenn der Stau zur Autobahn länger ist, dann schlafe ich am Sonntag eben aus. Also alles keine wichtigen Gründe nicht am Spiel teilzunehmen. Außerdem braucht Werder ja jede erdenkliche Unterstützung, besonders von mir 😉

Wir sind dann am Samstag pünktlich los in Richtung Weserstadion gefahren, mit ganz tollen VIP-Karten im Gepäck. Wir hatten Sitzplätze direkt über der Ostkurve (Werder-Fan-Kurve). Als wir in der VIP-Lounge ankamen, in der wir erst einmal entspannt Bier getrunken haben, spürte ich direkt die Anspannung der Zuschauer. „Ob es wohl zu einem Sieg reichen würde?“ „Was ist, wenn Werder wieder verliert und nicht aus dem Tabellenkeller rauskommt?“ Diese leisen Stimmen der Fans hörte ich aus allen Richtungen. Ich fragte mich, wie sich wohl die Spieler in einer solchen Situation fühlen? Sind sie geplagt von  Selbstzweifeln? Werden sie hochgeschaukelt von der Motivation des neuen Trainerstabs, ohne selbst hundertprozentig überzeugt zu sein?

Mein Sohn riss mich jedoch wieder aus meinen Gedanken. Wir wollten schließlich pünktlich zu unseren Plätzen, um nicht noch meinen Lieblingssong (Lebenslang grün-weiß) zu verpassen. Also Jacke wieder angezogen, den Werder Schal umgehängt und los ging es. Ich wusste, heute stehen alle Zeichen auf Sieg. Ich hatte es im Gefühl, als ich dort stand, direkt über der Ostkurve, dem Herzen des Weserstadions. Dieses Gefühl war unbeschreiblich. Ich war total überwältigt, mehr als 40.000 Zuschauer, (fast) das ganze Stadion in grün-weiß. Ich war absolut sprachlos, so viele Emotionen waren im Stadion zu spüren. Diese Atmosphäre beim Aufwärmen der Spieler, der tosende Applaus  der Fans – einfach toll.

Dann war es soweit, 18.30 Uhr: Anpfiff. In der 30. Minute endlich das erste Tor für Werder. Das Stadion im Ausnahmezustand. Fremde Menschen lagen sich in den Armen und sangen „Der SVW, der SVW ist wieder da“. Was für eine Begeisterung der Fans! In der zweiten Halbzeit brachte die Bremer Mannschaft das brodelnde Stadion ein zweites Mal zum Kochen. Als Bartels für Werder das 2:0 schoss, gab es kein Halten mehr. Auch ich habe die Fans und die Mannschaft kräftig mit Klatschen und Mitsingen unterstützt. Als das Spiel nach 92 Minuten glücklich für Werder zu Ende ging und die Mannschaft sich bei den Fans bedankte, bekam ich bei so vielen Emotionen ganz weiche Knie.

Auf dem Weg zum Ausgang hörte ich wieder das Stimmengewirr der Fans. Nur dieses Mal ging es nicht um verlieren oder versagen, sondern um den Sieg. „Das haben wir super gemacht, jetzt sind wir wieder da.“ „Habe ich dir doch gleich gesagt, heute klappt das mit dem Sieg.“ Und manche nahmen ganz euphorisch auch schon die Worte „internationaler Fußball“ in den Mund.

Was war bloß in diesen 90 Minuten Spielzeit geschehen? 90 Minuten Lebenszeit, in der man so viele Emotionen spüren und für das Leben mitnehmen konnte.

Zweifeln wir bei unseren Vorhaben nicht auch immer wieder? Diese Fragezeichen im Hinterkopf, diese Unsicherheit. „Lohnt sich das, was ich mache?“ „Habe ich damit Erfolg? „Was denken die anderen, wenn ich scheitere?“ „Bin ich dann der Loser?“ Selbst ich, die bereits mit 10 Jahren zum ersten Mal im Stadion in der Ostkurve war, habe gezweifelt, ob sich denn der ganze Aufwand überhaupt lohnt. Ich habe aber nach kurzer Bedenkzeit  doch noch die Kurve gekriegt. Und habe mich für ein bedingungsloses „Ja“ entschieden, ohne Wenn und Aber. Ich finde jeder sollte auf seine eigene Stimme und sein Bauchgefühl hören! Und wenn die Stimme sagt „mach es“, dann los. Ich finde, man sollte sich der Herausforderung stellen, auch wenn einem dabei ein wenig flau im Magen ist (ob es den Spielern auch so geht?). Es gibt immer Menschen, die an einen glauben (oder in diesem Fall die Fans an die Mannschaft) und die einem zur Seite stehen. Und irgendwann kommt auch wieder der Erfolg, auch wenn der Weg eventuell über einige Umwege führt (wie der Trainerwechsel bei Werder). Nur wer sich selbst treu bleibt, kommt auch zum Ziel.

Ich habe übrigens überhaupt nicht gefroren, durch das ewige Aufstehen („Steh auf, wenn du ein Bremer bist“), Jubeln und Mitsingen, wurde mir gar nicht kalt. Am späten Abend mit großen Emotionen und einem klaren Sieg nach Hause fahren zu dürfen, das war mein Wohlfühlglück in dieser Woche. Die Begeisterung der Fans, das Kämpfen und der Glaube an sich selbst (oder in dem Fall die Mannschaft) haben mich wirklich inspiriert.

Mein Fazit nach diesem Fußballspiel: Fußball ist wie das Leben. Auch wenn es aussichtslos erscheinen mag, es lohnt sich immer zu kämpfen. Und das ist meiner Meinung nach etwas, was sich jeder sagen sollte. Egal ob Fußballfan, oder nicht.

Bis bald,

eure Anke

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