Immer wieder sonntags #6

23. November 2014

Wo hört Toleranz auf und wo fängt Respektlosigkeit an…

Das frage ich mich schon seit längerer Zeit und es brennt mir förmlich unter den Nägeln hier und heute einmal meine ganz persönliche Meinung darüber zu schreiben. Sehr entgegen kam mir dabei, dass ich durch Zufall mitbekommen habe, dass sich auch Funk und TV in dieser Woche mit dem Thema Toleranz beschäftigen. Und als krönenden Abschluss bekam ich in dieser Woche auch noch eine Einladung zu einer Benefizveranstaltung zu eben diesem Thema. Also was blieb mir anderes übrig? Ich musste meinen Wochenrückblick einfach über das Thema Toleranz schreiben.

Toleranz

Was bedeutet für euch das Thema Toleranz?

Im Alltag höre ich immer wieder Sätze wie „Du musst  toleranter sein…“ oder „Sei doch mal toleranter, sonst…“. Selbstverständlich bin ich der Meinung, man muss anderen Kulturkreisen, Lebenauffassungen, Orientierungen oder sonstigem dieser Art gegenüber tolerant sein. Jedem das seine. Aber im Alltag begegnen mir immer wieder Situationen, die ich nicht tolerieren möchte. Solche Situationen betreffen dann meist den Umgang von Menschen untereinander. Solange niemand unter dem Verhalten eines anderen leidet, geht das andere, meiner Meinung nach, nichts an. Es gibt aber auch Verhaltensweisen, die ich nicht tolerieren möchte. Einfach, weil sie anderen gegenüber respektlos sind. Ich sag ganz klar Nein zu übergebührender Toleranz bei Respektlosigkeit im Alltag. Wo kommen wir denn da hin, wenn wir alle nur tolerant sind und es keine Grenzen mehr gibt.

Ich bin tolerant (mit zunehmenden Alter sogar immer mehr..;)). Aber ich habe für mich und auch für meine Mitmenschen ganz klare Grenzen gesetzt. Wenn z.B. feste Termine, ob im privaten oder geschäftlichen Bereich, nicht eingehalten werden, ohne dass sie vorher abgesagt werden – da hört meine Toleranz auf. Das ist in meinen Augen eine Respektlosigkeit! Wenn einer Person mal ein Fehler unterläuft, bin ich sehr tolerant, manchmal auch über das Maß hinaus. Denn wir sind alle nun mal Menschen und keine Maschinen (Gott sei Dank – perfekt ist ja auch langweilig). Jeder macht Fehler. Aber zwischen Fehler machen und sich respektlos verhalten ist ein kleiner Unterschied.

Wo hört eure Toleranz auf und wo fängt für euch Respektlosigkeit an?

So etwas mag bei jedem selbst liegen. Das ist auch eine Ansichtssache, denn jede Person steckt sich die persönliche Toleranzgrenze selbst. Die älteren Menschen unter uns haben sicher nicht mehr so eine hohe Toleranzgrenze, wie die Jüngeren unter uns. Heißt es zumindest oft. Ob das stimmt, sei mal dahin gestellt. Wenn ich aber alles toleriere, mache ich es mir auch sehr einfach. Denn die eigenen Grenzen für sich persönlich und für seine Mitmenschen zu stecken, ist harte Arbeit und kann sehr anstrengend sein.

Grenzen setzen – was heißt das?

Jeder Mutter und jeder Vater denkt spätestens ab dem 1. Lebensjahr seines Sprösslings darüber nach, wie die Grenzen zu setzen sind. Ob sie dann immer eingehalten werden, wer weiß das schon 😉 Den Kindern und den Mitmenschen Grenzen setzen heißt auch eine bestimmte Richtung vorgeben. Bis hier her toleriere ich dein Verhalten und nicht weiter. Ich bin immer sehr freudig überrascht, wie meine Kinder das so gut hinbekommen :)

In der letzten Woche habe ich einen ganz tollen Kommentar einer jungen Frau gelesen, die einen bestimmten Ort besucht, wo sie abschalten und entspannen kann. Und es ist ganz egal, wo der Ort ist. Wir müssen anderen gegenüber eine gewisse  Toleranz zeigen, sonst funktioniert unsere Gesellschaft nicht. Aber nur wenn die Komfortzone eines jeden einzelnen nicht überschritten wird.

Bei der gestrigen Benefizveranstaltung wurde ein Film über ein 10-jähriges Mädchen gezeigt, welches in Saudi-Arabien lebt. In manchen Regionen dieser Welt herrscht bis heute eine Intoleranz bis hin zur Respektlosigkeit gegenüber den Frauen und Mädchen, wo wir nicht wegsehen dürfen. Auch hier in Deutschland gibt es Fälle von Respektlosigkeit gegenüber älteren Menschen, Behinderten und Frauen, die nicht toleriert werden dürfen…

Ja, es ist schon ein schwieriges Thema mit den persönlichen Grenzen im Miteinander.
Durch meine Lebenserfahrung weiß ich heute was ich will und was ich nicht will. Und das fühlt sich richtig gut an und macht mir ein gutes Gefühl. Und das zeige ich auch sehr deutlich. In manchen Fällen (z.B. Geschäftlich) muss ich aber auch mal kleine Ausnahmen machen, denn keiner kann sein Leben  wie Pippi Langstrumpf gestalten.

Als ich gestern in meinem Auto saß und nach Hause fuhr, war ich glücklich selber zu entscheiden, wo und mit wem ich leben kann  und will und wie hoch meine Toleranzgrenze ist. Mein Ehemann ist übrigens mir gegenüber sehr tolerant 😉 Dieses Gefühl mittlerweile meine eigenen Grenzen gesteckt zu haben und dennoch ein toleranter Mensch zu sein, das war mein Wohlfühlglück der Woche.

P.S. Für mich könnte übrigens eine Toleranzgrenze manchmal etwas höher ausfallen – Die Blitzertoleranzgrenze! :)

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