Immer wieder sonntags #7

30. November 2014

Als ich in der letzten Woche mal wieder in Bremen war und durch die Sögestraße in der Innenstadt schlenderte, war alles weihnachtlich geschmückt und ich musste automatisch an meine Kindheit zurückdenken. Da ich in der östlichen Vorstadt (Nähe Weserstadion) aufgewachsen bin, war es früher immer etwas Besonderes in der Weihnachtszeit, mit meiner Mutter oder mit Freundinnen in die Stadt zu fahren. Ich freute mich diebisch auf die vielen Lichter, den Duft der Bratwurst und besonders auf die gebrannten Mandeln. Diese Düfte. Auch heute liebe ich diese Düfte noch, hinzukommen Glühwein-, Crêpes-, Puffer- und Eiergrogdüfte.

Sögestraße

Aber als ich mich so umschaute, bemerkte ich wieviel sich doch eigentlich verändert hat… Ist ja auch klar, es liegen über 40 Jahre dazwischen. Aber es geht nicht um die vielen Geschäfte, die imposant geschmückt sind und auf ihre „Besucher“ warten. Es sind vielmehr die Menschen, die sich verändert haben.

In der Stadtmitte gibt es ein sehr schönes Juweliergeschäft, traditionsreich und sehr bekannt. Ich war überrascht, wie schön die Weihnachtsdeko ist. Auch in der restlichen Zeit des Jahres ist die Dekoration in diesem Geschäft übrigens sehr beeindruckend. Da ich diesen Juwelier schon sehr lange kenne, wollte ich mir die Auslage einmal genauer ansehen. Ich ging  durch die kleine Passage zum Eingang, als ich freundlich von einem jungen Mann angesprochen wurde. Er fragte mich, ob er mir behilflich sein könnte. Ein Mann von der Straße, vor einen Juwelier? Ich war verwirrt und verneinte. Dann entdeckte ich auf seiner Jacke die Aufschrift einer Security Firma. Oha, vielleicht ist das ja in den Großstädten so üblich, dass man vor der Eingangstür selektiert wird. Früher war das anders.

Ich wünschte dem jungen Mann einen schönen Tag und machte mich auf die Suche nach einem Kaffee. Ein paar Schritte weiter wurde ich fündig. Das Traditionscafé Knigge. Da musste ich rein, die leckeren Kuchen in dem Kuchen-Büffet machten mich neugierig. Als ich einen Platz am Fenster ergatterte, musste ich innerlich lachen: „Was machst du denn jetzt in diesem Café?“ Früher gingen doch dort nur die älteren Herrschaften hin. Ja, ihr Lieben wie schnell die Zeit vergeht.

Aber die Ruhe und die Freundlichkeit dort überraschten mich doch sehr, hauptsächlich waren es tatsächlich etwas ältere Damen und Herren, die sich dort zu einem geselligen Kaffeeklatsch trafen. Einfach herrlich.

Mein Kuchen und Milchkaffee (trinke ich immer) wurden schnell serviert und so hatte ich Gelegenheit meinen Gedanken nachzuhängen. Irgendetwas war mit den vorbeigehenden Menschen in den letzten Jahrzehnten passiert. Als ich eine Weile zum Fenster rausschaute, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Einige telefonierten während des Gehens, einige zogen ihre Kinder hinter sich her (wie Hunde an der Leine 😀 ) und einige walkten förmlich durch die Innenstadt (es fehlten nur ihre Walking-Stöcke). Wo war da die Ruhe und das Erfreuen an der schönen, weihnachtlich geschmückten Stadt? Mir geht es aber auch oftmals nicht anders, jedes Mal das gleiche. Wie oft wollte ich schon früher für meinen Liebsten Geschenke besorgen. Ich habe noch nicht ein einziges Geschenk. Wieder mal 😀 Aber vielleicht gelingt mir das ja im nächsten Jahr. Ich hoffe noch.

Mir eine kleine Auszeit zu nehmen in diesem hektischen Alltag, das war mein Wohlfühlglück in dieser Woche. Ich wünsche euch in dieser Zeit immer eine Gelegenheit, um einmal inne zu halten und die Hektik vorbeiziehen zu lassen. Einen schönen 1. Advent, lasst es euch gut gehen.

Wenn man die Ruhe
Nicht in sich selber findet,
wird man sie anderswo
vergeblich suchen.

(unbekannt)

Bis bald,

Eure Anke

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