Über die finanzielle Unabhängigkeit

6. Dezember 2015

Immer wieder sonntags #49

Vor kurzer Zeit besuchte ich eine ganz besondere Veranstaltung, die mich auch im Nachhinein noch sehr beschäftigt. Unter dem Titel „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ stellten Renate Schmidt, von 2002 bis 2005 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, und Helma Sick, u.a. Kolumnistin und Finanzratgeberin in der Brigitte und Brigitte Woman, ihr neues Buch vor. Moderiert wurde der Abend von Anita Freitag-Meyer. Eine Bühne voller Powerfrauen sozusagen.

Wohlfühlglück_Finazielle_Unabhängigkeit

Abwechselnd lasen die beiden Autorinnen aus ihrem Buch vor und zeigten uns mit bewegenden Schicksalen warum es so wichtig ist, finanziell unabhängig zu sein. „Kindererziehung, ein Teilzeitjob, und jahrelang den ganzen Haushalt geschmissen – und doch kaum eigene Rente.“ In einer solchen Situation ist man von seinem Mann abhängig. Und sollte die Liebe dann doch auf einmal vorbei sein, droht plötzlich Altersarmut. Eine furchtbare Situation.

Ich kam ins Grübeln. Ich war mir auch vorher bewusst, wie wichtig es ist finanziell unabhängig zu sein. Aber Frau Sick mit ihrem Lieblingsmotto „Die Altersvorsorge beginnt einen Tag vor dem Stanesamt“ bestätigte das nur noch einmal mehr. Lieber heute unromantisch, als morgen arm. Vom Prinzip her ging es den beiden Autorinnen darum zu zeigen, warum es so wichtig ist finanziell unabhängig zu sein. Und das gelang ihnen bestens. Gleichzeitig sprachen sie ein Thema an, was ganz eng mit der der finanzielle Unabhängigkeit  einer Frau in Zusammenhang steht: die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Aber um mal ehrlich zu bleiben. Ich habe mir vor knapp 30 Jahren auch keine Gedanken darüber gemacht, wie meine finanzielle Situation im Alter aussieht und wie viel Rente mir mal zusteht. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielt vermutlich bei den wenigstens Hochzeiten eine große, thematische Rolle. Und ich kann auch jede junge Braut verstehen, die sich lieber Gedanken über ihre Hochzeitsfeier macht, als um eine mögliche, spätere finanzielle Abhängigkeit von ihrem Mann.
Dabei haben die Autorinnen Recht – man sollte unbedingt darüber sprechen, so verliebt man auch ist. Spätestens wenn Kinder da sind, kommt das Thema von Vereinbarkeit von Beruf und Familie eh auf den Tisch. Dann ist eine Aussprache mit dem Liebsten unumgänglich. Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind Themen, die beide Ehepartner etwas angehen sollten. Das ist wichtig, damit keiner in eine ungewollte, finanzielle Abhängigkeit gerät. Gerade in der heutigen Zeit sind Frauen ja bestens ausgebildet und drängen nur so in die Berufswelt – irgendwo habe ich letztens gelesen, dass 80% der Medizinstudenten weiblich sind (Angabe hier mal ohne Gewähr ;-)). Eine teure, harte Ausbildung, die viele vermutlich nicht für ihre Familie aufgeben wollen. Aber die Vereinbarkeit von einem solchen Berufsleben und der Familie ist auch heute noch sehr schwierig. Dabei sollte keine Frau daran gehindert werden, ihren Job und gleichzeitig ihr Familienleben ausleben zu können – das wäre bzw. ist meiner Meinung nach ein Unding. Es muss Mittel und Wege geben, dass auch das Häusliche geregelt werden kann.

Diese Veranstaltung lässt mich auch nach einigen Tagen nicht los. Und ich überlege immer noch, ob ich alles richtig geregelt habe. Ich würde mal behaupten, nach meinem Wissen und Gewissen, müsste meine Rechnung in späteren Jahren aufgehen. Aber viel mehr möchte ich noch, dass gerade zukünfige Generationen die Möglichkeit haben, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren und sich nicht in finanzielle Abhängigkeiten vom Partner zu bringen – ob nun Mann oder Frau. Da müssen Wege gefunden werden, damit sich niemand mit den obengenannten Schicksalen und der Altersarmut mehr konfrontiert sehen muss.

Wenn es einen Weg gibt, etwas besser zu machen: Finde ihn.
Thomas Alva Edison

Einen schönen Nikolausabend euch.
Bis bald,
eure Anke

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3 Kommentare zu “Über die finanzielle Unabhängigkeit

  1. Dass ein Mann eine Altersvorsorge sein soll, ist natürlich lächerlich. In unseren Augen. Und trotzdem kenne ich durchaus junge Frauen um 20, die ein Ziel haben: Einen Mann mit Geld heiraten, der sie dann versorgt. Diese jungen Damen sind im Übrigen eigentlich alles andere als dumm. Ein Abitur und immerhin ein paar Studiensemester sind für sie durchaus Pflicht – ist je immerhin die Umgebung, in der man den Mann zu finden hofft. Ich fürchte, diese Denke stirbt einfach nicht aus. So bitter das ist.
    Und genau deshalb ist es wichtig, dass man es immer wieder sagt. Wobei man den jungen Damen damit mächtig auf den Wecker fällt ;-).
    Vereinbarkeit von Familie und Beruf bedeutet allerdings nicht nur Betreuungsmöglichkeiten zu schaffen, sondern auch Akzeptanz für Mütter bei Arbeitgebern. Ich hoffe, inzwischen hat sich wenigstens das Bashing von arbeitenden Müttern als „Rabenmütter“ erledigt, mit dem ich noch zu kämpfen hatte, als ich eine Tagesmutter für meine Töchter suchte.
    Liebe Grüße
    Fran

    1. Wenn ich einen Highlight-Kommentar der letzten Woche hier auf dem Blog wählen dürfte, wäre es deiner, liebe Fran. Wunderbar gesagt und beschrieben. Danke dir! LG Anke

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